Kompetenzsteuerung in Arbeits- und Innovationsteams - Eine gestaltungsorientierte Analyse

von: Michael W. Busch

Gabler Verlag, 2008

ISBN: 9783834998736 , 215 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 49,44 EUR

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Kompetenzsteuerung in Arbeits- und Innovationsteams - Eine gestaltungsorientierte Analyse


 

1.2.2.2 Betriebswirtschaftliches Grundverständnis (S. 13-14)

Die Arbeit lässt sich in die angewandte, die verhaltenswissenschaftliche und die erfolgsfaktorenorientierte Betriebswirtschaftslehre (BWL) einordnen. Die angewandte BWL geht davon aus, dass sowohl die empirische Untersuchung als auch die theoretische Durchdringung einzelner betriebswirtschaftlicher Phänomene am Ende in Normen und Verhaltensempfehlungen münden sollten, d.h. die Theorie hat der Praxis möglichst Problemlösungshilfen zu liefern.40 Damit soll nicht der theoretische Anspruch angezweifelt oder geschmälert werden, vielmehr soll der Aspekt der Umsetzbarkeit den Forscher – wenn auch nicht immer, so doch von Zeit zu Zeit – dazu bewegen, sich kritisch zu befragen, wie die eigenen Theorien und Forschungsergebnisse im Hinblick auf ihren gesellschaftlichen Nutzen und ihre ethische Vertretbarkeit zu bewerten sind. Dadurch soll er nicht zum reinen Berater bzw. „Auftragsarbeiter der Industrie" „mutieren", aber er sollte generell darauf achten, die „Bodenhaftung" zu bewahren (indem er bspw. auf übertrieben distanzschaffende Terminologien verzichtet), um so den Austausch zwischen Forschung und Praxis in Gang zu halten.41 Bezogen auf die vorliegende Arbeit bedeutet diese Einordnung, dass sich die Hälfte der Arbeit mit der Frage beschäftigt, wie die gewonnenen theoretischen Erkenntnisse in entsprechende Gestaltungsmaßnahmen „umgemünzt" werden können.

Der Ausgangspunkt der verhaltenswissenschaftlichen BWL besteht in der Grundannahme, dass zur Erfassung der komplexen Vielfalt des betrieblichen Geschehens eine Öffnung der BWL in Richtung auf Erkenntnisse aus Nachbardisziplinen zu erfolgen hat, wobei dieser interdisziplinäre Ansatz dergestalt aussieht, „daß die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen selbständig bleiben, aber sich gegenseitig als Hilfswissenschaften dienen". Manche Forscher unterstellen damit auch die Aufgabe des Rationalprinzips, doch zielt der Kern der verhaltenswissen schaftlichen BWL darauf ab, das menschliche Verhalten insgesamt besser erklär- und verstehbar zu machen, um so zu realitätsnäheren (Gestaltungs-)Aussagen zu gelangen. Damit nähert „sich die seit Gutenberg primär theoretisch konzipierte Betriebswirtschaftslehre in Deutschland der auf die Lösung konkreter Managementprobleme ausgerichteten angelsächsischen Managementlehre". Dass diese (vermeintlich bedrohliche) Entwicklung kaum mehr aufzuhalten ist, liegt v.a. an der anhaltenden Forschungsdominanz des anglo-amerikanischen Bereichs, dem sich auch diese Arbeit – wie ein Blick in das Literaturverzeichnis leicht erkennen lässt – nicht entziehen kann.

Als praktische Konsequenz dieser Ausrichtung für die vorliegende Arbeit ergibt sich, dass bei der berücksichtigten Literatur nicht nur Erkenntnisse betriebswirtschaftlicher Herkunft, sondern auch solche aus anderen Disziplinen herangezogen wurden. Hierbei handelt es sich v.a. um empirische (und experimentelle) Studien aus dem Bereich der (Sozial-)Psychologie. Daneben wurden teilweise aber auch kommunikationstheoretische, pädagogische, soziologische und anthropologische Erkenntnisse genutzt. Eng einher mit der „Amerikanisierung" der Forschung, die in Deutschland nicht zuletzt durch die (so gewollte) Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen und durch die Installation veröffentlichungsbezogener Evaluationsverfahren forciert wird, geht die in der BWL zunehmend zu beobachtende erfolgsfaktorenorientierte Ausrichtung, in deren Linie sich auch diese Arbeit verortet.

Erklärtes Ziel der Erfolgsfaktorenforschung ist es, „jene Kausalfaktoren empirisch zu ermitteln, die über Erfolg oder Mißerfolg der betrieblichen Aktivitäten maßgeblich entscheiden. Diese grundlegenden Einflußgrößen, die sowohl durch das Unternehmen selbst gestaltet als auch durch dessen Umwelt bestimmt werden können, bezeichnet man – im weitesten Sinne – als Erfolgsfaktoren". Auch wenn sich die Teamforschung nicht unmittelbar an unternehmensbezogenen Erfolgsgrößen wie Gewinn, Umsatz oder Rentabilität orientieren kann, so wie dies etwa die PIMS-Studie tut, folgen doch die meisten hier zitierten Studien einem ähnlichen Forschungsdesign, d.h. in zumeist quantitativ-empirisch angelegten Studien wird der Einfluss teamrelevanter Einflussgrößen auf den Teamerfolg untersucht.