Spielsucht - Ursachen und Therapie

von: Gerhard Meyer, Meinolf Bachmann

Springer-Verlag, 2005

ISBN: 9783540278412 , 395 Seiten

2. Auflage

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 44,99 EUR

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Mehr zum Inhalt

Spielsucht - Ursachen und Therapie


 

10 Spieler in stationärer Therapie (S. 179-180)

Inbesondere wenn ambulante Behandlungsversuche erfolglos bleiben oder die Spielsucht von massiven psychosozialen Problemen begleitet wird, ist eine stationäre Therapie in Betracht zu ziehen. In verschiedenen Fachkliniken be steht inzwischen die Möglichkeit, pathologische Glücksspieler gemeinsam mit anderen Suchtkranken zu behandeln. Obwohl wir der stationären Therapie von Spielsüchtigen dasselbe Behandlungskonzept wie der Arbeit ambulanter Beratungsstellen zugrundelegen, machen es die spezifischen Möglichkeiten und Probleme stationärer Behandlung erforderlich, diese in einem separaten Kapitel zu beschreiben.

! Der mehrwöchige Klinikaufenthalt außerhalb der gewohnten fa miliären und beruflichen Bezüge, das höhere Ausmaß an Fremdkontrolle sowie die strukturierten Angebote des multimodalen Therapieprogramms sind nur einige Aspekte, in denen sich die stationäre von der ambulanten Behandlung unterscheidet.

Beginnend mit einem kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte statio närer Therapie für Spieler, der Darstellung des Behandlungsablaufs und den Bausteinen des multimodalen Therapiekonzeptes (Gruppen-, Individual-, Sport-, Beschäftigungs-, Arbeitstherapie) bis hin zu besonders relevanten Themen wie Therapieabbruch und Reintegration werden anhand des folgenden Kapitels die Chancen, Herausforderungen und Grenzen der stationären Spielerbehandlung deutlich.

10.1 Historisches: die Anfänge stationärer Therapiekonzepte

Anfang der 70er-Jahre wurden in den USA erste stationäre Therapiekonzepte für Spielergruppen angeboten. Pionierarbeit hat dabei der amerikanische Psychiater Custer geleistet (Custer & Milt, 1985), Direktor des Alkoholbehandlungs programms des Veterans Administration Hospital in Becksville. Damals wurde Custer von Mitgliedern der Gamblers Anonymous (GA) angesprochen, weil große Probleme bei der Behandlung einiger Mitglieder entstanden waren, die mit Suizidversuchen und gesetzlichen Schwierigkeiten zu tun hatten. Für Custer war entscheidend, dass es sich bei dem von ihm untersuchten pathologischen Spielverhalten um ein Suchtverhalten handelt und dass dies der Ausgangspunkt für seine konzeptionellen Überlegungen sein sollte. Was ihn zunächst sehr beeindruckte, war die starke Ähnlichkeit zwischen pathologischen Glücks spielern und Alkoholikern, sowohl was die Persönlichkeit als auch das Krankheitsbild anging. Es war für ihn sehr überraschend, dass es so viele Gemeinsamkeiten zwischen einer Abhängigkeit von einer Droge und einem Verhaltensproblem, dem süchtigen Glücksspiel, gab. Nach ersten Untersuchungen der Krankheitsberichte der neuen Klienten begann sich ein Krankheitsbild zu entwickeln, das viele Parallelen zum progressiven Verlauf des Alkoholismus aufwies.

Beide Verhaltensweisen, Alkoholismus und pathologisches Glücksspiel, beginnen meistens mit einem harmlosen Symptomverhalten, das sich langsam, aber progressiv, destruktiv gegenüber dem Betroffenen selbst und der Familie entwickelt. Besitz geht verloren und die finanzielle Existenzgrundlage wird gefährdet und zerstört. Physisch erschöpft und psychisch zerschlagen, geht der Spieler häufig den Weg des Suizids. Ähnlich wie beim Alkoholismus, kommt es beim pathologischen Glücksspiel zum Kontrollverlust bis zu dem Punkt, wo das Verhalten selbstzerstörerisch wirkt.

Ähnlichkeiten sah Custer außerdem auf der Persönlichkeitsebene. In beiden Symptomgruppen sah Custer die Tendenz der Realitätsflucht, vor allem wenn Spannungen auftreten, Anforderungen oder Krisen entstehen, von denen der Betroffene annimmt, dass er sie nicht bewältigen kann. Beim Alkoholiker dient der Alkohol zur »Lösung« dieser Probleme, während es beim pathologischen Spieler das Glücksspiel ist.

Custer formulierte folgende Therapieziele:

1. Den Spieler dazu befähigen, das pathologische Glücksspiel zu stoppen.

2. Das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl stärken, so dass der Patient pathologisches Glücksspiel nicht mehr dazu einsetzen muss, vor den realen Lebens problemen zu flüchten und in eine Welt von Illusionen auszuweichen.

3. Hilfestellung dabei geben, andere Möglichkeiten der Befriedigung, des Ver gnügens und der Selbsterfüllung zu entwickeln, die das Vakuum füllen, das bei Wegfall des Spielverhaltens entstanden ist.

4. Dem Patienten bei dem Bedürfnis helfen, entstandenes Unrecht wiedergut zumachen, und dies auf realistische Weise.

5. Für die Zeit nach der Entlassung aus der 4-wöchigen stationären Behandlung soll eine ausreichende ambulante Nachsorge geplant sein.

Um diese Therapieziele zu erreichen, entwickelte er folgendes Therapieprogramm, das der Notwendigkeit Rechnung trägt, die Angehörigen mit einzubeziehen:

1. Gruppentherapie mit den Spielern, gefolgt von
2. Individualtherapie, danach
3. Individualtherapie für Ehefrauen/Partner, anschließend
4. gemeinsame Paartherapie, zudem
5. Entspannungstherapie und Beschäftigungstherapie sowie
6. GA für die Spieler und Gam-Anon für die Partner.

Das gesamte Therapieprogramm orientierte sich stark an der Alkoholismustherapie. Die Spieler erhielten zunächst individuelle Beratung, um ihnen Unterstützung zu geben, das Glücksspielverhalten einzustellen, Eheprobleme, Schulden und finanzielle Haushaltsplanungen anzusprechen und Änderungen einzuleiten. In Ergänzung dazu fand Gruppentherapie statt, in der die Spieler darüber sprachen, wie ihr Weg in die Spielproblematik ausgesehen hatte und welche Probleme dadurch entstanden waren. Gefühle der Hilflosigkeit und subjektive Vorstellungen über notwendige Persönlichkeitsveränderungen werden thematisiert. Während in der Einzelberatung in erster Linie Fakten zu regeln waren, diente die Gruppentherapie eher dazu, die Gefühle der Spieler anzu sprechen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich von psychischen Spannungen zu befreien und ihre Einsicht in ihr fehlangepasstes Verhalten zu vertiefen. Es wurde Totalabstinenz angestrebt, wobei es aber erlaubt war, konkurrierende Spiele (z.B. Schach) ohne Einsatz zu spielen.