Kompendium Physikalische Medizin und Rehabilitation - Diagnostische und therapeutische Konzepte

von: Veronika Fialka-Moser

Springer-Verlag, 2005

ISBN: 9783211281079 , 341 Seiten

2. Auflage

Format: PDF, OL

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 64,99 EUR

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Kompendium Physikalische Medizin und Rehabilitation - Diagnostische und therapeutische Konzepte


 

Handrehabilitation (Tatjana Paternostro-Sluga) (S. 149-150)

LERNZIELE
. Therapiemöglichkeiten der Handrehabilitation
. Spezielle Krankheitsbilder in der Handrehabilitation

1 Handrehabilitation
1.1 Allgemeine Therapieaspekte
Die Hand nimmt im menschlichen Leben eine zentrale Rolle ein. Es gibt kaum Tätigkeiten, bei denen sie nicht beteiligt ist. Die Einschränkung der Handfunktion führt zu Beeinträchtigungen in den verschiedensten Aspekten des menschlichen Lebens. Die Funktion der Hand ist daher eine wichtige Grundlage für Selbständigkeit und Lebensqualität. Zentrales Ziel der Handrehabilitation ist es, die Funktion der Hand entsprechend dem jeweiligen Krankheitsbild so gut wie möglich wiederherzustellen/zu erhalten.

MEMO!
Dafür müssen als erste Schritte die einzelnen Komponenten der Bewegungsabläufe der Hand optimiert werden. Dazu gehören Beweglichkeit der Gelenke, Beschaffenheit der Bänder, Gleitfähigkeit der Sehnen, Sensibilität und Trophik der Haut, Kraft und Koordination der extrinischen und intrinsischen Handmuskulatur. Die Verbesserung/Wiederherstellung dieser Strukturen ist durch verschiedene therapeutische Maßnahmen zu erreichen:

Die Aufgabe der Bewegungstherapie ist es, die Beweglichkeit der einzelnen Strukturen aktiv und passiv soweit wie möglich wiederherzustellen. Unterstützt wird sie dabei von der Ergotherapie: die Schienenbehandlung kann das erreichte Bewegungsausmaß durch Lagerung erhalten und/oder durch passive Dehnung vergrößern. Schienen dienen auch zu Übungszwecken, wenn sie entweder statisch das angrenzende Gelenk immobilisieren, um das betroffenen Gelenk isoliert aktiv bewegen zu können oder dynamisch eine verlorenen/geschützte Funktion ersetzen. Das Funktionstraining kann über funktionelle Übungen die Gelenksbeweglichkeit verbessern und schult funktionelle Bewegungsabläufe. Anfänglich werden Basisfunktionen (z.B. verschiedenen Griffformen), dann zunehmend alltags- und berufsspezi. sche Funktionen trainiert.

Hilfsmittelversorgung, ADL-Training, Ergonomie und Gelenksschutzmaßnahmen sind untrennbar mit den obengenannten Therapieformen verbunden und im Rahmen dieser auch durchzuführen. Sie dienen der Selbständigkeit, dem geschulten Umgang mit der gestörten Funktion und der Prophylaxe. Zur Unterstützung von Abschwellung, Detonisierung, Verbesserung der Trophik, Verbesserung der Narbenbeschaffenheit, Kräftigung und Schmerzreduktion können Massage, manuelle Lymphdrainage, Ultraschalltherapie, Elektrotherapie, Thermotherapie und Hydrotherapie eingesetzt werden. Die Funktion der Hand ist eine wichtige Grundlage für Selbständigkeit und Lebensqualität.

1.2 Spezielle Krankheitsbilder

1.2.1 Dupuytren’sche Kontraktur
1.2.1.1 Beschreibung des Krankheitsbildes/Diagnose

Die Dupuytren’sche Kontraktur ist Folge einer Verdickung und Schrumpfung der Palmarfaszie. Erstsymptome sind Einziehungen und Knotenbildungen in der Hohlhand. In der Regel entsteht zuerst eine Streckhemmung, später eine Beugekontraktur in den Metacarpophalangealgelenken (MCP-Gelenken). Eine Strangbildung im Bereich der Finger verursacht eine Beugekontraktur in den proximalen Interphalangealgelenken (PIP-Gelenken) (Cailliet 1994). Die rehabilitativen Maßnahmen beginnen in der Regel postoperativ.

Therapieziel ist es dann, die intraoperativ erreichte Beweglichkeit zu erhalten, die Narbenbeschaffenheit zu optimieren und die Handfunktion wiederherzustellen (Waldner-Nilsson 1997). Bei präoperativ länger bestehenden Beugekontrakturen kann es sekundär zu einer Kontraktur der palmar liegenden Gewebe (Haut, Beugesehnenscheide, Ringband, Gelenkskapsel, Bänder) kommen. Bei den Kollateralbänden sind die IP-Gelenke besonders betroffen, da die Bänder sowohl in Flexion als auch Extensionsstellung verkürzen. Es ist daher postoperativ oft schwierig, eine Beugekonrakrutur vollständig zu beheben. Damit stellt die Schwere und Dauer der präoperativen Kontraktur einen wesentlichen Faktor für die Prognose des postoperativen funktionellen Ergebnisses dar. Weitere Faktoren sind Verlauf der Operation, Heilungsprozess, möglicherweise auftretende Komplikationen, Nachbehandlung sowie Alter, Persönlichkeit und Motivation des Patienten (McFarlane 1990).

MEMO
- Die Dupuytren’sche Kontraktur ist Folge einer Verdickung und Schrumpfung der Palmarfaszie.
- Die rehabilitativen Maßnahmen beginnen in der Regel postoperativ.


1.2.1.2 Therapieziele

 postoperative Ödemreduktion
 Förderung der Wundheilung
 Erhalt der intraoperativ gewonnenen Beweglichkeit
 Optimierung der Narbenbildung
 Erhalt/Verbesserung der Sehnengleitfähigkeit
 Verbesserung der groben und feinen Kraft
 Verbesserung der Koordination
¡ Schulung funktioneller Griffe  frühzeitige funktionelle Wiederherstellung

1.2.1.3 Therapie

Bewegungstherapie

Nach chirurgischer Vorgabe wird in der Regel zwischen 3–14 Tage postoperativ mit der Bewegungstherapie begonnen. Geübt wird dabei die Daumenopposition, die Beugung der MCP-Gelenke, die Beugung der PIP- und distalen Interphalangealgelenke (DIP-Gelenke), die Streckung der PIP- und DIP-Gelenke in MCP-Beugestellung sowie Beugen und Strecken der Interphalangealgelenke (IP-Gelenke) einzeln mit Fixierung des proximalen Gelenkes. Die Streckung der Grundgelenke wird erst später forciert, um im Anfangsstadium keinen verstärkten Zug auf die Narben in der Hohlhand auszuüben.